mein 2. Rundbrief oder a little bit like home...

Kaum zu glauben, dass es jetzt schon fast vier Monate sind seit dem ich mich von „good old Germany“ verabschiedet habe. Es ist schön, mich durch den Rundbrief immer wieder mitteilen zu können und zu wissen: Zuhause gibt es Leute, die es interessiert wie es mir hier ergeht.

Nachdem ich euch beim letzten Mal etwas über meine Arbeit auf der Station erzählt habe, möchte ich heute ein wenig von meinem ersten größeren Einsatz außerhalb berichten.

Im Norden Kenias unter den Samburus und Rendile gibt es eine Tradition, die viele andere afrikanische Stämme schon längst abgeschafft haben: die Beschneidung von Frauen. Es ist ein grausamer Brauch, der für die Frauen sehr schmerzhaft und gefährlich ist und lebenslange Folgen mit sich bringt.

Nur wenige Frauen entscheiden sich gegen eine Beschneidung - der Druck der Umgebung ist groß. Wenn sie es tun, müssen sie mit dem Spott und der Ausgrenzung von Stammesmitgliedern rechnen.

Um den Mädchen in Korr (Marsabit) zu helfen sich gegen die Beschneidung zu entscheiden, hatte Eva Ziegler zusammen mit einigen Frauen vor Ort ein Seminar organisiert. Es sollte über die kulturellen und medizinischen Hintergründe aufklären und die Mädchen auch von der Bibel her unterstützen. Eva hatte mich gefragt ob ich dabei mithelfen wollte und so ging’s für mich los nach Marsabit.

Schon die Reise dorthin war ein kleines Abenteuer. Zusammen mit Timaado reiste ich nämlich nicht mit dem Auto oder Bus, sondern auf einem Lkw.


Und da dürft ihr euch auch nicht die schönen Diguna- LKWs vorstellen, sondern Vieh-Lastwagen, die in unserem Fall für den Transport von Kanistern genutzt wurden, wo wir dann drauf saßen. Die Fahrt dauerte 21 Stunden die wir teilweise oben auf dem „Dach“ des LKWs und teilweise unter der Abdeckplane verbrachten (weil uns die Polizei nicht sehen durfte).


Timaado, mein Begleiter, paßte wirklich gut auf mich auf und es war zwar anstrengend aber sehr eindrucksvoll und ich bin froh über diese Erfahrung.

Normalerweise ist die Gegend rund um Korr staubig und trocken: Wüste. Doch da es in den Wochen zuvor sehr geregnet hatte, durfte ich erleben wie die Wüste blüht – es war wirklich wunderschön, alles grün und überall kleine Blumen.

Es gab so viele neue Eindrücke für mich dort oben – die Menschen in ihrer traditionellen Kleidung, die Hütten in denen sie leben, der Chai, der nach Ziegenmilch schmeckt, überall Ziegen, Schafe und viele Kamele... vieles läßt sich gar nicht in Worte fassen.

Obwohl bei unserem Seminar vieles anders lief als wir es geplant hatten, haben wir Gottes Segen sehr deutlich gespürt. Die zehn teilnehmenden Mädchen waren schnell offen für Gespräche und aufnahmebereit für das, was wir ihnen zu sagen hatten. Jeden Morgen fingen wir mit einer Andacht an, in der es um Frauen der Bibel ging, danach ging es zum eigentlichen Unterricht. An einem Tag fuhren wir raus in den „Busch“ um dort eine Ziege zu schlachten und zu grillen – wir hatten eine wirklich schöne Zeit.

Meine Abreise kam etwas plötzlich – es ergab sich ganz kurzfristig die Möglichkeit zurück zu fliegen. Ein Missionsflugzeug hatte einen Leerflug nach Nairobi und das war für mich dann die Chance, den Weg der auf dem LKW 21 Stunden gedauert hatte, nun innerhalb von 2 ½ Stunden zurückzulegen. Es war schön wieder in Mbgathi anzukommen und Elly, Elli und Leona wiederzusehen. Und was ich früher nicht geglaubt hätte: Es war das Gefühl nach Hause zu kommen. Ja, so wohl fühle ich mich hier mittlerweile schon.

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